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Notwendiges Übel, oder Wundermittel auf dem beschwerlichen Weg zur original-getreuen Wiedergabe?

Die Wiedergabeeigenschaften von Audioanlagen werden massgeblich mitbestimmt durch die Geräte-Ein- und Ausgänge und die eingesetzten Kabel. Es wird gezeigt, wie durch strikte Minimierung der Abweichungen (Minimum Loss Concept, MLC) eine kontrolliert hervorragende Wiedergabe erreichbar wird.

Hand aufs Herz: Ist nicht die Ursache für allzu viele Verbesserungsaktionen von Audioanlagen darin zu suchen, dass über das zu erreichende Ziel keine Klarheit herrscht. Ganz konkret: Wann beurteilen wir eine Anlage als besser, und wann erkennen wir eine ‘Verbesserung‘ auch tatsächlich als solche an?


Das Ziel: Originalgetreu

Mit Ausdrücken wie ‘naturgetreue Wiedergabe‘, ‘absolute Referenz‘, ‘dem Original weitgehend ähnlich‘, ‘hörbar besser‘, ‘High-End‘ und so weiter – diese Liste liesse sich beliebig fortsetzen – wird in der Werbung versucht, dem Musikhörer zu erklären, dass eine Anlage resp. angepriesene Komponenten besser seien um das eine Ziel zu erreichen: Originalgetreue Wiedergabe.


Die Strategie: Minimierung der Abweichungen (Minimum Loss Concept, MLC)

Unter der heute noch gültigen Annahme, dass einmal eingetretene Verluste im äusserst komplexen Klangbild nicht wieder ergänzt, und Verzerrungen kaum wieder eliminiert werden können ohne weitere Verluste in Kauf zu nehmen, steht die Minimierung der Verluste im Vordergrund (= Minimum Loss Concept, MLC). Unter Verbesserung verstehen wir somit nie die Wiederherstellung von bereits Verlorenem, sondern immer nur die Fähigkeit, weniger (im besten Fall gar nichts) einzubüssen. Worauf zu achten ist, um durch die Anordnung der Komponenten und die Auswahl der Verbindungsleitungen möglichst geringe Abstriche an der Ursprünglichkeit der Musik in Kauf nehmen zu müssen, darauf wollen wir im folgenden eingehen.


Das beste Kabel ist ‘kein Kabel‘

Kleinsignalleitungen und Lautsprecherleitungen sollten grundsätzlich immer so kurz wie möglich gewählt werden! Es gibt keine Kabel, die die Wiedergabe verbessern, sondern nur solche, die bei der Übertragung in Verbindung mit dem vorgeschalteten Treiber und dem nachfolgenden Empfänger weniger Fehler verursachen (MLC!). Da grundsätzliche Unterschiede bezüglich der Impedanzverhältnisse zwischen Ton- und Lautsprecherleitungen bestehen, betrachten wir diese in der Folge gesondert. Als Signalquelle wählen wir das Beispiel des CD-Spielers.


Kleinsignalleitungen zum Ersten: Am wichtigsten ist die Treiberstufe

Die Qualität der Signalübertragung wird dominiert von Interdependenzen, hauptsächlich dem Verhalten der Treiberstufe des CD-Spielers bei kapazitiver Belastung. Von CD-Spieler-Herstellern als Stiefkind (analog!) behandelt, weist sie oft eine um Grössenordnungen zu hohe Ausgangsimpedanz auf. Dies trifft insbesondere für variable Signalausgänge zu. Phasenfehler und Höhenverluste sind die Folge. Bei anspruchsvollen Geräten im mittleren und oberen Preisbereich sind Ausgangsimpedanzen über 1 kOhm auch bei kuzen Signalleitungen kaum zu verantworten, vielmehr sind Werte zwischen 10 und 100 Ohm empfehlenswert.
An die Treiberstufe muss aber auch bezüglich Stabilität ein strenger Massstab angelegt werden, denn  in ungünstigen Fällen – unter der kapazitiven Last des Kabels – können leicht Verzerrungen entstehen.
Auch die Eingangsschaltung des Verstärkers darf nicht vernachlässigt werden. Zwei Fähigkeiten sind wesentlich: Jedes mögliche Eingangssignal (inkl. Störsignale, insbesondere auch hochfrequente Störungen) muss verkraftet werden und Gleichtaktstörungen, die bei Geräten mit Netzanschluss immer auftreten, müssen unterdrückt werden. (Mit den üblichen Cinch-Anschlüssen kann dies nur mit einem Trick realisiert werden.)
Erst nachdem die obenstehenden Punkte sorgfältig abgecheckt worden sind, wenden wir uns dem Kabel selbst zu.


Kleinsignalleitungen zum Zweiten: Komplexes Innenleben mit zwei Anschlüssen

Das Verhalten von Kleinsignalleitungen wird dominiert von den Materialeigenschaften der Isolationsschichten. Der ohmsche Widerstand ist kaum von Bedeutung und kann in der Regel gegenüber induktiven und vor allem kapazitiven Effekten vernachlässigt werden. Ein kleiner Kapazitätswert pro Längeneinheit ist immer von Vorteil, da im Kapazitätswert sowohl die Geometrie wie auch die Dielektrizitätskonstante berücksichtigt wird!
Unterschiede bestehen  in der Isolation: Am besten eignen sich in absteigender Folge Teflon, Polypropylen und Polyethylen. Von PVC-isolierten Kabeln muss eher abgeraten werden.
Kritisch, vor allem über eine längere Zeitperiode, sind die Steckverbindungen. Eine gute Lösung sind Cinchstecker mit vergoldeten Kontakten, die aber einmal jährlich gelöst, gereinigt und neu gesteckt werden sollten. Beachten Sie, dass der Aussenleiter (= Abschirmung) zusätzlich zur Signalerdung auch die Masseverbindung der Geräte sicherstellen muss, was nur über sehr kurze Kabel und bei einem Übergangswiderstand bis zu wenigen mOhm gewährleistet ist und oft nur mit einer speziellen Massebefestigung erreicht werden kann, z. B. mit Spannzangenklemmung. Besser ist eine differentielle, weitgehend erdfreie Eingangsstufe des Verstärkers, und eine 3-adrige Signalleitung.


Kleinsignalleitungen zum Dritten: Maximal zulässige Kabellängen

Wie lange dürfen Kleinsignalleitungen sein? So kurz wie möglich, aber für Signale um 1 Volt, mit einer geeigneten Treiberstufe, einem hochwertigen Kabel und einem differentiellen Verstärkereingang sind, wenn nötig, auch Distanzen von 10 m und darüber ohne nennenswerte Verluste erreichbar.


Lautsprecherleitungen: Hochstrompfade

Das bei den Kleinsignalleitungen bezüglich der Treiberstufe Gesagte gilt auch hier: Ohne stabile Verstärker mit ausreichend kleinem Innenwiderstand geht gar nichts! Der Verstärker muss den Lautsprecher treiben, nicht etwa umgekehrt! Dabei ist es Aufgabe des Lautsprecherkabels, dafür zu sorgen, dass die am Verstärkerausgang anliegende Spannung dem Lautsprecher möglichst verlustfrei zugeführt wird (Spannungsansteuerung).
Betrachten wir zuerst den Lautsprecher. Zusammen mit der Frequenzweiche stellt er eine komplexe Last dar, die im ungünstigen Fall Impedanzwerte unter 1 Ohm annehmen kann Lautsprechersysteme nutzen magnetische oder elektrostatische Kräfte, stellen somit immer eine induktive oder kapazitive Last mit mehr oder minder ausgeprägten Impedanzminima dar.
Nun zur Lautsprecherleitung: Eine Kupferleitung mit einem Querschnitt 2 x 4 mm2 weist einen ohmschen Widerstand von 9 mOhm pro Meter auf. Bei einem (durchaus gängigen) Impedanzminimum des Lautsprechers von 2 Ohm und einer Kabellänge von 5 Metern lässt sich somit unter Vernachlässigung von weiteren Faktoren (z. B. Skineffekt) bestenfalls ein Dämpfungsfaktor von 45 erreichen. Moderne Endstufen wären jedoch in der Lage, mit einem Innenwiderstand von 10 mOhm Dämpfungsfaktoren von 200 (bei 2 Ohm!) zu erreichen! Grundsätzlich sind zwei Verbesserungsmöglichkeiten denkbar: Wahl eines Lautsprechers mit weniger ausgeprägtem Impedanzminimum und kürzere Lautsprecherleitungen.
Durch die Vorgabe eines weniger ausgeprägten Impedanzminimums schränken wir uns in der Auswahl der Lautsprecher ein. Trotzdem ist dies der weitaus häufigste Fall: Unkritische Lautsprecher lassen längere (aber nur hochwertige) Lautsprecherkabel zu. Kriterien für die Wahl der Lautsprecherkabel sind: Ohmscher Widerstand und Induktivität, seltener Kapazität und Einfluss des Skineffekts.

Im Fall kürzerer Lautsprecherleitungen werden hochstabile Monoblöcke mit extrem kleinem Innenwiderstand direkt bei den Lautsprechern plaziert. Diese Lösung ist ‘straightforward‘: Man verlege die lange Leitung zwischen Vor- und Endverstärker (hier erlaubt!), nehme die beste Endstufe und (fast) keine Lautsprecherkabel. Als Resultat gewinnt man völlige Freiheit bei der Wahl der Lautsprecher.
Eine Lautsprecherleitung mit Impedanzanpassung kommt angesichts des niederohmigen Verstärkerausgangs und der komplexen Last von Frequenzweiche und Lautsprecher nicht in Frage, und lange Lautsprecherleitungen sind für hochwertige Anlagen ohnehin verboten (Verstoss gegen MLC)!
Erwünscht hingegen ist Bi-Wiring, die einfachste Methode, um bei Mehrwegsystemen die gegenseitige Beeinflussung zu reduzieren. Selbst im Falle sehr kurzer Lautsprecherkabel führt Bi-Wiring in der Regel zu einer hörbaren Verbesserung, ein niedriger Innenwiderstand des Verstärkers muss allerdings vorausgesetzt werden.


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